Ein Museum zum Spielen - Das Norddeutsche Spielzeugmuseum in Soltau

soltau1.jpgVon der Fassade des grünen Holzgebäudes grüßt ein riesiger, leuchtend roter Hampelmann, auf einer Fahne winkt ein Teddy Willkommen und auf der Mauer zeigt eine Lokomotive an: In diesem Haus dreht sich alles ums Spiel. An der Lüneburger Heide liegt Soltau, und mitten in der Stadt erwartet Sie auf drei Stockwerken eine Sammlung von historischen Spielzeugen, die sich auch international sehen lassen kann. Hier können Besucher nicht nur schauen, sie dürfen auch hören, tasten, ausprobieren, spielen!

Ausstellungsstücke aus vier Jahrhunderten bilden ein buntes kulturhistorisches Mosaik, das nahe und ferne Welten miteinander verknüpft. Spanschachteln geben den Blick frei auf farbenfrohe Märkte, orientalische Städte und exotische Tierparks. Kaufläden, Küchen und Stuben vermitteln einen Eindruck von Elternwünschen und Kinderträumen. Märchenbilder verwandeln sich auf wundersame Weise, und optische Spielzeuge verändern den gewohnten Blick.

Conditorei_um_1820__b_2.jpgVerkehrsmittel von der eleganten Kutsche bis zur Miniaturautoparade reflektieren technische Neuerungen. Puppen lassen Schönheitsideale und Modetrends der letzten dreihundertfünfzig Jahre Revue passieren. Teddybären und humoristische Charakterfiguren von Steiff zeigen künstlerische und pädagogische Reformen in Plüsch und Filz.

Viele Objekte haben eine besondere Geschichte zu erzählen ­– z.B. ein großer Blechmaikäfer, der seinen neuen Besitzer zunächst zu Tränen erschreckte, oder eine schwimmende Puppe, die ein Uhrmacher konstruierte, um seinem kleinen Sohn die Angst vor dem Wasser zu nehmen.

Eine einzigartige Familienwelt entfalten über hundert Kindheitsobjekte, die aus einer einzigen Adelsfamilie stammen: Babyschuhe der 1775 geborenen Großmutter haben sich ebenso erhalten wie Handarbeitsproben ihrer Enkelinnen; ein kurz nach 1700 entstandener Puppenteetisch steht einem rund hundert Jahre jüngeren Bergwerk gegenüber, das in einer Walnuss Platz findet.

Puppen_Holz1.jpgDas Museum nennt sich “norddeutsch”, weil es im Norden Deutschlands liegt – aber die Ausstellungsstücke kommen oft von weit her. So z. B. ein hölzernes Städtchen, in dem kleine Figuren mit Turban unter Palmen wandeln. Auf der Schachtel steht “Eupatoria” – der Name einer Stadt am Schwarzen Meer, die im Krimkrieg (1853-56) zwischen Russland, Frankreich und England umkämpft war. Im Erzgebirge griff man damals dieses Thema auf und exportierte die Stadt im Kleinformat u. a. nach Frankreich – von dort konnte das Museum sie kürzlich erwerben.

Von Schottland aus machte sich 1851 eine Straßenhändlerin auf den Weg zur ersten Weltausstellung in London; auf ihrer Wanderung fertigte sie eine Hausiererpuppe, die sie Königin Viktoria schenkte; später gelangte die kleine Bauchladenverkäuferin über schottischen Adelsbesitz in die USA – und schließlich durch eine Auktion nach Soltau.

Dingley_Hall2_web.JPGEuropäische Dimensionen hat auch die aktuelle Hauptattraktion des Museums: Drei Meter breit und zwei Meter hoch – das sind die stattlichen Maße von “Dingley Hall”, dem beeindruckenden Puppenhaus aus dem 19. Jahrhundert und der spektakulärsten Neuerwerbung in der Geschichte des Museums.

1875 begannen zwei acht- und zwölfjährige englische Bankierssöhne, die Fächer von Bücherregalen mit Möbeln und Bildern zu dekorieren. Bald wuchs aus zunächst sechs Zimmern ein herrschaftliches Anwesen mit einer repräsentativen Fassade und fünfzehn prächtigen Räumen ­– darunter ein japanischer Salon, eine katholische Hauskapelle, eine Bibliothek mit zahlreichen Miniaturbüchern und eine reich bestückte Küche. Über 1000 Einrichtungsgegenstände verleihen dem von gut 50 Puppen bevölkerten Haushalt europäischen Zuschnitt: Golddruckmöbel aus Waltershausen harmonieren mit seidengepolsterten Sitzgruppen aus Paris, Glasleuchter aus Venedig werfen Licht auf englische Bilder und Wiener Theaterfiguren.

Seit kurzem können Sie diese Miniatur-Wunderwelt aus nächster Nähe entdecken und sich auf die Suche nach verborgenen Details begeben.

Brandt_Automobil_Werkstatt_web.jpgVergangenheit und Zukunft auf spielerische Weise miteinander zu verbinden, das gehört zu den Zielen der gemeinnützigen Stiftung Spiel, die für das Spielzeugmuseum zuständig ist. Stiftungsdirektor Mathias Ernst ist Historiker und Pädagoge – und der Sohn der Sammlungsgründerin Hannelore Ernst. Als sie vor fast vierzig Jahren bei einer Haushaltsauflösung eine alte Porzellankopfpuppe entdeckte, ahnte sie nicht, was sich daraus einmal entwickeln würde – zu Puppen gesellten sich bald Stofftiere, Holzspielzeug, Baukästen, Miniaturläden, Kinderbücher, Optisches … Eine Sammlung von internationaler Bedeutung entstand. 1984 wurde dafür gemeinsam mit der Stadt Soltau ein Spielzeugmuseum eingerichtet, das seither dynamisch gewachsen ist. In den Zukunftsplänen der Stiftung liegt ein besonderer Akzent auf Spielaktivitäten. Und das macht sich im Museum schon jetzt an vielen Stellen bemerkbar …

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