Draußen spielen 4 - Bäumchen wechsel dich

liebermann.jpgBäumchen wechsel dich ist auch eine Art Fangen. Oder eine Art Reise nach Jerusalem. Aber draußen und mit Bäumen.

Das Spiel ist alt. Es ist in unseren Sprachgebrauch als Redewendung eingegangen.

Bäume braucht man. Und freien Platz dazwischen. Eine Gruppe von Bäumen auf einer Wiese. Einen Baum weniger, als Kinder da sind.
Jedes Kind stellt sich zu einem Baum. Das Übriggebliebene steht in der Mitte und ruft: Bäumchen, Bäumchen, wechsel dich!

Während nun alle versuchen, zu einem anderen Baum zu laufen, hat auch das bisher baumlose Kind wieder eine Chance. Schließlich bleibt wieder jemand übrig, stellt sich in die Mitte und ruft: Bäumchen, Bäumchen, wechsel dich!

Vielleicht spielen die Mädchen auf dem Bild von Max Liebermann Bäumchen wechsel dich. Dass einige an Bäumen stehen, andere laufen, spricht dafür. Allerdings scheint das Kind in der Mitte zu fehlen.

liebermann3.jpgDas Bild heißt Spielende Kinder im Park(1) und wurde in der Ausstellung Gärten von November 2006 bis März 2007 im Städel-Museum in Frankfurt am Main gezeigt. Nun ist es wieder zurückgereist ins Lillehammer Art Museum.

Das Bild hieß zu Liebermanns Lebzeiten einfach Spielende Kinder – wenn ich meiner Quelle(2) glauben darf. Heute läuft es unter Spielende Kinder im Park. Jedenfalls heißt es nicht Bäumchen wechsel dich.

Es ist ja auch kein dokumentarisches Foto, sondern ein Gemälde. Eine Schwelgerei in Grün. Vielleicht zeigt es auch ein Bäumchen wechsel dich nach anderen Regeln. Oder das Thema Kinder, Bäume, grüne Wiese war dem Maler so vieler Garten- und Parkszenen Thema genug. Je länger ich das Bild anschaue, desto tiefer wird es, zieht den Blick bis weit in den Hintergrund.

In den fünfziger Jahren galt Bäumchen wechsel dich als altmodisch. Ich habe es trotzdem gerne gespielt. Anders als beim Fangen gab es immer wieder einen Ruhepol, eine Rettung im wilden Spiel. Immer dann, wenn man den Baum erreicht hatte und seine Rinde an den Händen und dann am Rücken spürte. Sich vom Baum wieder zu lösen und loszulaufen, erforderte ein klein bisschen Mut.

Am Rand des Spielplatzes stand eine Gruppe Birken im genau richtigen Abstand. Wenn ich höre oder lese: Bäumchen wechsel dich - und man liest es oft -, dann sehe ich immer diese Birken vor mir.

Anmerkungen

(1) Max Liebermann: Spielende Kinder im Park, 1882, Öl auf Leinwand (51 x 69 cm). Abbildung mit freundlicher Genehmigung des Lillehammer Art Museums

(2) Max Liebermann. Acht farbige Wiedergaben seiner Werke. Mit einer Einführung von Hans Wolff, Verlag von E.A. Seemann in Leipzig o.J. (1917). 1917 gehörte das Gemälde zur Sammlung E. Meiner in Leipzig.

Comments are closed.