Draußen spielen 5 - Verstecken

Eins zwei drei vier Eckstein, alles muss versteckt sein. Neben mir und hinter mir gilt nicht. Ich kooomme!

Jemand kam auf die Idee, sich oben auf die Mauer zu hocken, an der der Sucher lehnte. Sprang schnell herunter und schlug sofort an. Seitdem riefen wir: Neben mir und hinter mir, über mir und unter mir gilt nicht. Ich kooomme!

Wenn man sich von Mauer oder Baum abwandte, war man das einsamste Kind der Welt. Alle anderen waren verschwunden. Niemand zu sehen.

versteck2.JPGDann ging die Suche los.

Manche Kinder sind unruhig im Versteck. Sie verraten sich durch eine wippende Haarschleife, einen Rockzipfel oder eine Schuhspitze. Guck, da bewegt sich ein Ast des Fliederbuschs.

Während ich noch den Rhododendron inspiziere, hat jemand schon angeschlagen. Gemein.

Wer sich verstecken will, plant schon vorher, wo das sein könnte - ganz nah beim Anschlagplatz oder ganz weit weg. Dann braucht man einen Schleichweg, der einem schon Deckung bietet, auch wenn der Suchende schon unterwegs.

Das ist die hohe Schule des Versteckens: den geheimen Ort erst aufsuchen, wenn der Sucher immer näher kommt. Oder: von einem Versteck ins andere zu wechseln. Das geht oft schief, man wird gesehen und muss dann loslaufen, um doch noch schneller beim Anschlagplatz zu sein als der Jäger. Denn der muss ja die Gesehenen mit einem Schlag gegen die Mauer oder Haustür erst laut melden, damit sie als gefunden gelten.

Verstecken ist für alle eines der aufregendsten Spiele. Jäger sein oder schlaues, schnelles Wild. Das Trügerische des Verstecks, die scheinbare Sicherheit ganz tief im Gestrüpp.

Es kam aber auch vor, dass wir uns aus unserem Versteck am Graben entlang nach Hause schlichen und als brave Kinder schon beim Kakao saßen, während Dolly noch lange im Park suchte, bis sie dann wutheulend vor der Tür stand und wir uns so schämen mussten.

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