Draußen spielen 7 - Murmeln

Haben Sie mit Murmeln gespielt? Oder mit Schussern, Klickern, Knickern, Dötzen? Kennen Sie andere Namen?

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Murmeln gehörten in einen kleinen Stoffbeutel mit Zugband, das Murmelsäckchen.

Darin klickerten und klackerten sie verheißungsvoll.

Wer damit zum Spielplatz kam, konnte dort den Inhalt des Säckchens in den Sand schütten.

Glasmurmeln in verschiedenen Größen, Farben und Mustern. Man konnte sie stundenlang betrachten.

murmelc.jpgDie seltsam gedrehten Farbeinschlüsse im Glas. Die absolut glatte, perfekte Form. Ihr Wert.

Wir hatten “nur” viel kleinere Tonmurmeln. Die kamen aus Familienbeständen.

Sie hatten einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter, waren verschiedenfarbig glasiert, einige mit metallischem Schimmer.

Eigentlich waren sie hübsch – für sich betrachtet. Aber draußen bei den anderen Kindern galten sie nichts.

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Es war kein Geld da für Glasmurmeln. Die bekamen wir dann in sehr geringer Zahl von Verwandten geschenkt. Viel zu wenige, um draußen den dicken Max markieren zu können.

Zudem war das Murmelspiel so angelegt, dass verlorene Murmeln verloren waren und auch nach dem Spiel nicht zurückgegeben wurden. Dann ging man reich nach Hause – oder arm.

Und musste zu Hause erklären, wie es zu Bereicherung oder Verarmung gekommen war. Spielzeug, kostbares Spielzeug zu verlieren – das durfte nicht sein, war zu Hause nicht geduldet.

Drinnen und draußen gelten eben unterschiedliche Regeln.

Murmeln2.jpgDas Murmelspiel ging so: Eine Kuhle in den Boden graben. Nein, nicht graben – die Murmelkuhle wird mit dem Schuhabsatz gedreht. Rund um die Kuhle die Erde glatt klopfen, so dass ein kleiner ebener Platz entsteht. Eine eigene Murmel mit dem gekrümmten Finger anstoßen, dass sie gegen die anderen titscht. Die Murmel, die in der Kuhle landet, gehört dir.

Große Murmeln sind gefährlich, sie geben den kleineren so viel Drall, dass sie beim ersten Versuch in der Kuhle landen. Mit einer kleinen Murmel eine größere anzutitschen, bewirkt in aller Regel gar nichts. In wessen Hosentasche werden sich wohl die meisten Murmeln sammeln? Richtig: Es herrscht das Monopoly-Prinzip, das wir aber erst später kennenlernen.

Eine andere Spielart: Jedes Kind darf reihum eine seiner Murmeln anstoßen. Wer zuerst alle seine Murmeln in die Kuhle befördert hat, ist Gewinner. Das spielt sich mit Tonmurmeln genauso gut wie mit Glasmurmeln.

murmele.jpgDie Geschichtswerkstatt Düsseldorf erwähnt die Variante des “Stuckens”: “… bei dem man je nach Wunsch zwei, vier, sechs, acht und noch mehr Murmeln mit der nach unten ausgestreckten Hand in ein Loch werfen musste, das vorher mit dem Schuhabsatz kunstgerecht gedreht worden war. Ein Teil der Dötze fiel nun in das Loch, der andere daneben. Je nachdem, ob eine gerade oder ungerade Zahl dabei herauskam, hatte der Spieler gewonnen und durfte den Einsatz des Gegenspielers als sein Eigentum betrachten.”

Wer kennt andere Regeln? Bitte melden, die Spielzeuggeschichten freuen sich.

Zum Drinnenspielen gibt und gab es Murmelbahnen aus verschiedensten Materialien. Wer sein Wissen über Murmeln vertiefen und sich an schönen Bildern sattsehen will, dem sei die Murmelwelt empfohlen.

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