Draußen spielen 8 - noch einmal Murmeln

murmela.jpgHaben Sie mit Murmeln gespielt? Oder mit Schussern, Klickern, Knickern, Dötzen? Kennen Sie andere Namen?

So fragten wir. Und wollten es genauer wissen. Eine kleine Umfrage im Freundes- und KollegInnenkreis machte uns schon schlauer:

Aus Berlin hörten wir “Bucker”, aus dem Sauerland “Döpkes”. Für Düsseldorf gibt es zahlreiche Belege für “Dötze”, vielleicht verwandt mit den I-Dötzen, den I-Pünktchen, wie man hier die Erstklässler nennt. In Solingen rollten - und rollen wohl noch - die “Heuer”. “Klicker” kennt man vielerorts, z.B. in Köln, im Siegerland, in Nordhessen, Frankfurt und Umgebung, Moselfranken, Augsburg – dort gibt es auch die “Kluckerle”. Mit “Knickern” spielt man am Niederrhein und im Münsterland. Eine einzige - sehr hübsche - Nennung erhielten wir für “Marbeln” (Minden/Westfalen). “Marmeln” gibt es in Bremen und Hamburg, “Murmeln” ebenfalls in Hamburg, außerdem in Niedersachsen und Westfalen (z. B. in Porta Westfalica), Franken, München und Sachsen. “Schusser”, die wir in Berlin vermutet hätten, fanden wir aber im Chiemgau (Oberbayern) und in Passau (Niederbayern). Das Spiel damit heißt “schussern”.

murmeld.jpgSchauen wir mal ins Wörterbuch. Der “Wahrig” verzeichnet Murmel, Marmel, Marbel – die kennen wir schon aus unserer Umfrage. Außerdem nennt er Mermel, Klicker, Letsch, Bickel, Katzedonier (das ist ein Synonym für Chalcedon, einen blauen Stein, verweist also auf das Material). Außerdem nennt auch er Schießer, Schusser, Knicker und weiterhin Schneller, Bugger, Picker, Alabaster, Steinnuss, Klucker (Schweiz).

Nach Region schlüsselt das Duden-Taschenbuch “Wie sagt man anderswo?” (Wilfried Seibicke, 1983) auf: Marmel (SH und südwestlich davon), Knicker (westl. Niederdeutsch), Klicker (Westmitteldeutsch), Knipper und Knippkugel (Niederrhein), Kuller (verstreut im Ostmitteldeutschen), Schusser (Bayern), Glugger oder Glucker (Schwaben), Specker (Tirol), Schatzkugerl (um Villach), Kugel und Kugerl (sonstiges Österreich).

murmeln5a.JPGDie Geschichtswerkstatt Düsseldorf erwähnt neben Dötzen auch noch die “Mehler”, Murmeln aus Mehl oder Ton. Ob die Mehler wirklich aus Mehl waren oder ob der Name das Sandige des Tons beschreibt, sei dahingestellt. Mehler sind in unserer Umfrage ebenfalls genannt worden, und zwar aus Düsseldorf in den fünfziger Jahren. Als solche waren sie in Celle (Niedersachsen) in den fünfziger Jahren nicht bekannt, wie die Tonkugeln dort zu dieser Zeit überhaupt unbekannt waren - aber das bezieht sich möglicherweise nur auf den Horizont unseres Spielplatzes und mag darüber hinaus anders gewesen sein.

Die Bezeichnungen für Murmeln beziehen sich also auf das Material (Marmel, Katzedonier, Alabaster, Mehler), auf die Eigenschaft des schnellen Rollens (Schusser, Schießer, Schneller), auf die Handhabung (Knicker, Knipper) oder auf die Geräusche (Klicker, Klucker). So vielfältig wie die Farben und das Materialien sind auch die Namen.

Noch einmal: Womit haben Sie gespielt? Die Spielzeuggeschichten freuen sich auf Ihre Antwort.

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